Ich liebe die Jahreszeiten. Auch wenn der Winter hier, oder bei mir in der Großstadt, eher Matschwetter bietet als WinterWinter… jede Jahreszeit hat ihre eigene Stimmung, bringt unterschiedliche Fragen und Antworten mit sich.

Mich von all dem anstecken und inspirieren zu lassen, gerade um mich selbst (anders, neu) unter die Lupe zu nehmen, ist seit zwei, drei Jahren – seit ich mich sehr viel bewußter von den Jahreszeiten mitreißen lasse – so bereichernd, daß ich manchmal gar nicht mit dem Tagebuchschreiben hinterkomme. Manchmal noch aus Widerstand heraus, weil ich ahne, daß es unzählige Seiten werden und da schlicht und weg keine Lust drauf habe, im Moment. Nun, eigentlich schon. Denn es ist immer wieder so spannend, weil jedes Mal noch Fragen und Antworten hinzukommen, die ich nicht hätte ahnen können.
Sich diesem Widerstand, der immer dann zu kommen scheint, wenn es um was geht, um etwas, das uns wichtig ist und voranbringt, zu widersetzen und durchzuboxen, ist, wie so vieles, nicht leicht, doch es absolut wert.

Diesen Sommer, insbesondere während meiner kleinen Schottlandrundreise, reihten sich kleine Begegnungen und Ereignisse aneinander, daß mir zwar vor Ort schon auffiel, was das alles für mich bedeutet und noch bedeuten wird, doch erst danach, teils Wochen später, nach vielen, vielen Tagebuchseiten und Seufzern habe ich die ein und andere Antwort für mich gefunden. Mehr Fragen sind damit nicht wirklich einhergegangen. Die, die auftauchten, waren Folgefragen und fanden mit dem automatischen Schreiben meist umgehend ihre Antworten.
Was bleibt, ist jede Menge innere Veränderung und Wachstum. Und das Gefühl, daß ich beides bisher nur erahnen oder abschätzen kann. Auch weil ich bisher verhältnismäßig zu wenig Tagebuch geschrieben habe. *räusper

Jeder von uns kennt diesen Widerstand. Er liebt den Status quo. Veränderung und Wachstum ist unbequem. Man muss sich neu arrangieren und weiß nur bedingt, was für andere, weitere Veränderungen es nach sich zieht. So viel Arbeit, die da kommt. Dabei ist sie noch nicht einmal am Horizont wirklich sichtbar. Der Widerstand in uns ist ein kleiner Feigling mit sehr großem und losem Mundwerk. Lassen wir uns nicht länger einschüchtern. Oder nicht häufiger als nötig.

Was mich persönlich lange – und in manchen Bereichen nach wie vor – in Schach gehalten hat, war eine gewisse Angst. Angst weil Ungewißheit. Mit Ungewißheit hab ich aus diversen früheren, einschneidenden Erfahrungen heraus so meine, sagen wir, Diskussionen. 😉 Angst vor dem Danach. Insbesondere: wer bin ich dann, wenn … ? Sie geht einher mit der Angst vor meinem eigenen Potenzial. Ein Thema, was ich nur bedingt ausrollen werde, denn es spiegelt sich ganz besonders in den Romanideen wider. Wer hätte es gedacht.

Was mich dieser Sommer und dieser Herbst gelehrt hat und nach wie vor lehrt, ist: für welche Änderungen im Alltag ich mich auch immer entscheide, ich bin deswegen nicht von heut auf morgen eine andere Person an die ich mich gewöhnen muß. Ich wache nicht plötzlich auf, wie im Buch oder Film, habe Superkräfte an der Hand und darf nun zusehen, wie ich klarkomme. Zumindest ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen Situation doch eher gering, vermute ich. Ausschließen wollen wir mal nichts, ne? 😉
Und das ist gut so. Daß es nicht so ist. Mit jeder Entscheidung, die ich also für mich treffe, für die Zukunft, die ich mir für mich wünsche und ausmale und erreichen möchte, paßiert ein bißchen was in mir. Und um mich herum. Und eh ich’s mich versehe, irgendwann, schaue ich einen Monat, drei oder sechs Monate, oder ein Jahr zurück, starre Löcher in den Himmel und stelle fest: diese Angst gehört zum Widerstand. Da ist nichts, wovor ich Angst haben brauche. So viele kleine Entscheidungen, die mit der Zeit Großes bewirken, halte ich selbst in der Hand.

Was bleibt also von mir, nach diesem Herbst, diesem Winter? Woher soll ich das wissen. Ich habe im Verlaufe des Jahres meine Essstörung einen unglaublichen Sprung weiter in ihre Schranken weisen und Fortschritte machen können. Und mit dieser neuen Ruhe und Gelassenheit in mir ergaben sich nach außen hin Veränderungen. Ganze 23kg habe ich seit meiner Entscheidung 2014, nichts unversucht zu lassen glücklich und zufrieden mit/in mir selbst zu sein, nun abgeworfen. Ich fühle mich anders und doch auch nicht. Ich bin die gleiche Person und doch auch nicht. Ich entdecke mich auf so vielen Ebenen neu, was mir dank all der Konfrontation mit besagter Angst sehr viel mehr ein Abenteuer geworden ist. Ohne unnötig (wäre es das wirklich?) tief in die Materie einzusteigen: es ist nicht nur unnötiges Körpergewicht, das ich da mit mir herumgetragen habe. Hinter ihm haben sich Altlasten versteckt, die mit jeder intensiven Tagebuchstunde ein wenig kleiner werden, teils wirklich von mir fallen. Und, ganz wichtig, freilegen, was da wirklich ist. In mir. Meiner Seele, meinem Herzen. Was sich nicht mehr einschüchtern läßt von ach-so-selbstischeren Menschen, die mit Meinungen um sich werfen um ihre eigene Unsicherheit zu übertünchen. Nicht, daß ich das nicht schon in jungen Jahren verstanden hätte. Doch da war ich… jung. Beeinflußbar. Auch weil ich der Annahme erlegen bin, daß sich jeder mit sich selbst auseinandersetzt und lernt. Nun, die Zeiten sind vorbei.

Ich bin hier, ich habe gelernt. Weil ich mit offenen Augen durch die Welt gehe. Weil ich mit offenen Augen in den Spiegel schaue. Und mich von der Natur, von den Jahreszeiten mitreißen lasse. Bäume verlieren ihre letzten Blätter und zeigen stolz das, was sie den Großteil des Jahres über mit Blättern und Blüten und Früchten schmücken. Dafür liebe ich den Herbst und den Winter. Den Rückzug, die Einkehr. Mich ohne all diesen Schmuck, all dem, was ich der Welt Schönes zeigen möchte, betrachten. Jedes Jahr auf’s Neue und mit einem anderen Blick. Weil jedes Jahr ein wenig anders ist.

Es ist aber nicht nur diese persönliche Seite. So bunt die Blätter im Herbst waren, so haben sich diverse Ideen und Vorhaben bezüglich meiner Kunst in meinen Kopf und mein Herz geschlichen – Wurzeln geschlagen.
Derzeit hirne ich noch ein wenig vor mich hin (E., danke für dieses grandiose Wort! 😀 ), überlege wie und wann und überhaupt. Aber sagen wir so: der YouTube-Kanal wird nicht mehr allzu lange leer bleiben.

Und um mich aus meinem ordentlichen Minus an Wortzahl herauszuwinden, verwende ich meine Kraft und Zeit heut noch ein wenig anderweitig. Auch wenn ich definitiv bis in den Dezember hinein schreiben werde, weil mein Ziel für dieses Jahr, mehr oder weniger auch für den NaNo, ist, das Manuskript für Die Aurora-Chroniken, Band I, fertigzuschreiben (überhaupt zu schreiben), bin ich nicht ganz ohne Ergeiz. Mit meiner Woche Urlaub, viel Tee und Obsession ist es durchaus im Bereich des Möglichen, mir auch dieses Jahr das Zertifikat ausdrucken zu können. 🙂

Wenn du lange keinen gemacht hast: genieß einen Herbstspaziergang. Der November hat so eine schöne Energie. Frag‘ dich, wer du unter all deinen (oder ohne deine) Blättern bist. Zu befürchten ist da nichts. Nur viel zu finden! 🙂

Liebst,

Greta

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