Vielleicht ist es gar keine Angst vor Verantwortung, oder, was auch immer. Vielleicht ist es ganz einfach die Angst vor mir selbst.

Auch wenn ich keine Angst vor mir selbst habe, weil ich mich sehr gut kenne. Schon lange. Und immer wieder ein bißchen mehr und neu.

Wenn ich schreibe, ganz besonders an den längeren Werken, wenn ich mich von einer kleinen Idee, diesem kleinen Funken, einer einzigen Szene, oder auch nur einem Gefühl, einem Bild mitreißen lasse und es nicht nur so schreibe, wie es mir in den Sinn (oder alle Sinne) kam, kommt immer dieser Punkt, an dem sich alles verselbstständigt. Ich spüre, meist erst kurze Zeit später, wie sich die Welt um mich herum verabschiedet und mich diesem Niemandsland überlassen hat, in dem ich nun sitze und schreibe. Erschaffe, was ich da nur verschwommen irgendwie empfunden und vor’m inneren Auge gesehen habe. Von dem ich der Meinung war, es müsse raus. Vielleicht mag ich Nicht-Orte genau deswegen. Sie haben genau diese Aura an sich und fühlen sich an wie ein Zuhause, mein Zuhause.

Dort findet mich niemand. Denn dort ist keiner, nicht wirklich. Dort kann mich auch kein Gedanke finden, der mich herausreißt und hier, in dieser Realität und Welt halten will (was ist schon „diese Realität und Welt“?), mich an all das erinnert, was ich noch tun muss oder tun könnte. Und weil mich diese Gedanken, diese Schattenwesen, dort nicht finden können, kann ich mich auch nicht von ihnen mitreißen lassen, zurück dorthin, wo ich nicht mehr ganz ich bin. Sondern einer der Diener des Diesseits. All dem, was schon ist.

So sehr ich also in der Zwischenzeit für eben jene Zeit, Momente, für das Erschaffen verschwinden mag, habe ich auch Angst davor, was es mit mir machen wird. Schließlich betrete ich während des Erschaffens andere Welten. Wie könnte ich da unverändert zurückkehren? Ähnlich wie nach dem Lesen eines Buches. Wir lernen immer irgendwas. Nehmen immer irgendwas von dieser und jener Geschichte mit. Ähnlich wie im Leben, im Alltag. Wenn wir offen sind für das, was geschieht, macht es was mit uns. Nicht, daß das umgehend verändernd wirkt. Doch mit den Tagen und Wochen…

Da habe ich keine, oder zumindest weniger Angst vor. Vielleicht weil ich da schon genügend erlebt habe und eine ganz gute Vorstellung davon hab, wie der Hase läuft.

Doch das weiße Kaninchen, das mich da lockt, immer und immer wieder, von dem ich weiß, daß ich ihm folgen will und auch sollte – das ist mir alles so unbekannt. Nicht fremd. Sonst würde ich mich nicht hingezogen fühlen. Sonst würde ich nicht immer wieder einen Schritt drauf zugehen. Ich weiß, jeder Aufenthalt in dieser Zwischenwelt verändert mich. Je länger, umso intensiver oder tiefgreifender. Wahrscheinlich auch nicht so, daß ich morgen aufwache und alles ist anders. Zumindest ist das mein Strohhalm. Das rede ich mir ein.

Ich werde die Veränderungen gar nicht wirklich mitbekommen. Erst irgendwann rückblickend. 10 geschriebene Seiten später. Eine oder doch erst drei Kurzgeschichten später. 52 Gedichte später. In zwei Wochen oder 3 Monaten. Was weiß ich schon?

Und ist es nicht auch gruslig, daß das Einzige, daß ich tun kann, ist, mir selbst zu vertrauen? Dabei habe ich mein Leben lang nichts anderes getan. Ja, auch wenn ich mich viele Jahre zurückgehalten hab, hier und da. Bei Entscheidungen, klein und groß, habe ich zuallererst mir selbst vertraut. Mein Leben lang habe ich mich also darauf vorbereitet, mir nun auch und vor allen Dingen an diesem Punkt, in dieser Hinsicht zu vertrauen.

Dennoch. Dennoch ist mir ein bißchen schlecht. Dennoch trommelt mir da etwas von innen in der Brust entgegen und strampelt und schreit und will nicht. Und ich möchte eine Flasche Whisky trinken und ein Glas Wasser und eigentlich gar nichts, doch lieber schlafen und gleichzeitig spazierengehen, weil das so schön ist. Alles und nichts möchte ich tun.

Warum hatte ich mir vorgenommen, keine Ausreden mehr gelten zu lassen? Tja. Weil ich tief in mir weiß, was ich kann. Und was ich will. Und so zucke ich mit den Schultern. Werde mich wohl oder übel überraschen lassen, von dem, was da kommt. Was da auf mich wartet. Das kann ja nur ich selbst sein. Mein Zukunfts-Ich. Sie lächelt. Na, ich vertrau ihr dann mal.

Greta

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