Künstler wirst. Ganz abgesehen davon, daß du einer bist.

Was ich meine, ist, keiner kann dir so helfen, deinen Weg zu gehen, wie wenn du sagst, du wirst Arzt, Jurist, Bibliothekar oder suchst eine Anstellung. Und wie kannst du das auch wirlich von jemandem erwarten? (wenn du es denn erwartest.)

deine Kunst zu leben, Künstler zu sein, ist ein so individueller Weg, der so sehr an dich selbst und deine eigene, innere Entwicklung gebunden ist, daß dir da keiner helfen kann. Untersützen, ja. Oder sagen wir, nur wenige wollen dir so helfen, noch weniger können dir so helfen und nicht viel mehr wollen und können dich unterstützen. Nur die, die verstehen, auf welchem Weg du unterwegs bist bzw. was dieser Weg mit sich bringt und bereithält, weil sie in einem ähnlichen Wald unterwegs sind.

Und diese Gesellschaft, der Kapitalismus, in dem wir leben, wie könnte der schon wollen, wirklich wollen, daß du deine Kunst lebst, dein Künslerherz frei läßt und jeden Moment einatmest und aufsaugst, so gierig, als hättest du viele Jahrhunderte im Schlaf verbracht? Das kommt dieser Gesellschaft, diesem System, nicht zugute. Sich selbst kennenlernen. Die eigene Kraft entdecken. Sie stärken. Sie leben. Denn damit steckst du andere an. Und du wirst oft nicht wissen, wen, wieviele und wie sehr du sie ansteckst.

Und wie könnten deine Eltern, oder andere dir Nahestehende, schon wollen, daß du Künstler wirst (bist)? Auch wenn es unausgesprochen bleibt, was es wohl oft ist, wissen sie, bewußt oder unterbewußt, was dieser Weg bedeutet. Wieviele Wölfe im Wald leben. Wieviele Dornenhecken dein Schloß oder Häuschen umgeben und wie dunkel es nachts ist. Wieviele Geräusche du nicht kennst, nicht einordnen kannst.

Doch die Wahrheit ist (oder zumindest eine) – das lernst du alles unterwegs. Auf manches kannst du dich vorbereiten. Welcher Vogel singt wie? Wie verhältst du dich am Besten wenn du einem Wolf gegenüberstehst? (und wer ist der Wolf in diesem Bild überhaupt? Einer, der dich aufhalten und fressen will, oder diese uralte, wilde Kraft in dir, die den Weg kennt und dich zu deiner Hütte begleiten möchte?) Und du kannst dich vorbereiten, immerhin ein wenig, bevor du dich ganz bewußt für diesen Weg entscheidest. Bevor du dir erlaubst, all das zu leben, was du bist, schon immer warst, sein kannst und sollst. Diese Entscheidung laut auszusprecchen, ist mutig. Bleib mutig. Geh weiter.

Vielleicht will auch keiner, daß du Künstler wirst, weil sie nicht wissen, wie sie dir dann helfen und dich unterstützen können. Sie müssten sich mit deiner Kunst auseinandersetzen. Und Kunst rüttelt auf. Zeigt eine andere Perspektive. Andere Gedanken, andere Gefühle. Soetwas trifft. Soetwas riecht stark nach Veränderung – vor allen Dingen im Inneren. Und was nach Veränderung riecht, ist gefährlich. Weil unbequem.

Mach dir nichts draus. Sei, wer du immer schon warst, wer du bist und sein kannst. Weil du es sein sollst. Du spürst doch, wie es dir geht, wenn du versuchst, diesen Weg nicht zu gehen. Wenn du abbiegst und an der Autobahn entlangläufst. Es ist zu laut, zu voll, zu kalt, zu häßlich. Zu gefährlich. Du bist in Gefahr. Deine Seele, dein Herz, dein Leben. Bleib auf deinem Weg. Und glaube mir, je besser du deinen Wald kennenlernst und verstehst, sobald du die Geräusche einzuordnen weißt, die dich umgeben und dir zuerst Angst gemacht haben (klar, schließlich waren sie dir unbekannt), umso öfter wirst du auf Kreuzungen treffen und feststellen: dieser Wald ist sehr viel größer und es gibt offenbar noch andere, die durch ihn streifen oder spazieren. Und umso häufiger wirst du jemanden wie dich treffen. Glaube mir. Und diese Begegnungen, egal, wie kurz und selten sie sein mögen (zunächst): sie sind so viel schöner und gehaltvoller und bereichernder als die an der Autobahn dort hinten. Da ist nur Zeit für ein Winken, für ein geschrienes: Hallo! Wie geht´s dir?, aber kaum und selten Zeit um ranzufahren, zu halten und sich Zeit zu nehmen. Du weißt ja, der Seitenstreifen, auf dem du laufen würdest, muss freigehalten werden für Notfälle. Und du bist kein Notfall. Wie es dir geht, ist kein Notfall. Du bist nicht wichtig genug. Zumindest dort auf der Autobahn.

Also komm zurück in den Wald. wenn wir uns hier über den Weg laufen, manche Strecken sogar gemeinsam gehen bevor wieder jeder abtaucht, ist immer Zeit und Ruhe, stehenzubleiben und sich zu unterhalten. Vielleichtt hat sogar jemand einen Picknickkorb dabei und ihr setzt auch ins Gras, in die Blumen am Wegesrand und genießt den Tag. Bleib hier im Wald. Geh nicht zurück auf den Asphalt. Da ist nichts zu holen – nicht für dich. (eigentlich für niemanden, aber zu viele sind vom Autobahnrauschen so betäubt, daß sie es nicht mehr oder noch nicht richig spüren)

Keine will, daß du Künstler wirst. Vielleicht auch aus Sorge, daß dich dieser Wald umbringt. Doch ehrlich, wie könnte er? Du gehörst in diesen Wald. Das spürst du. Wir kommen aus dem Wald. Wie könnten wir also nicht hierher gehören? Wie könnte der Wald uns, die wir ihn zu schätzen und respektieren wissen, Böses wollen? Die Sorge derer in allen ehren; doch du weißt es besser. Du spürst es besser. Vertrau dir. Dir zu vertrauen ist der erse Schritt. Der, bevor du dir am Waldrand sags, daß du diesen Weg jetzt gehen wirst.

Siehst du die Rauchsäule, dort, weit hinten, tief aus dem Wald kommend? Wir machen sehr gern Lagerfeuer hier. Geh los. Du bist mutig genug. Du kannst dir vertrauen. Geh los, finde deinen Weg – nein, geh deinen Weg. An manchen Stellen wird er erst sein, wenn du Fuß vor Fuß setzt; wundere dich darüber nicht. Für manche von uns (viele?) gibt es noch nichtmal einen passenden Trampelpfad. Laß dich davon nicht beirren. Geh, und du wirst früher oder später auf unser Lagerfeuer treffen. Wir freuen uns auf dich.

Greta

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