Die Ungewißheit

sie nährt sich an der zarten, leisen Angst, die in mir aufkeimt; jedes Mal, wenn ich beginne zu schreiben. Okay, Angst ist ein zu schweres Wort dafür, aber vielleicht weißt du, was ich meine. Auch wenn ich ganz gut weiß, was ungefähr alles in meine Geschichte soll (die Eckdaten auf jeden Fall), so ergibt sich das Meiste doch während des Schreibens. Was keineswegs schlimm ist, sondern den Zauber gar ausmacht.

Diese Formulierung, fällt mir eben auf, ist auch irgendwie putzig. Das macht den Zauber aus. Wortwörtlich bedeutet es doch, daß der Zauber dann nicht mehr ist, nicht mehr scheint, doch der übertragene Sinn entspricht dem Gegenteil. Nungut. Deutsche Sprache.

Auch wenn ich weiß, daß sich alle Antworten auf meine Fragen während des (kreativen) Schreibens ergeben, zögere ich, zu starten. Immer wieder. Warum? Ich möchte mich an den Schultern packen und schütteln. 😉 Dieser Tage tue ich mein Bestes und schreibe einfach. Sonntag verlief schon sehr fein und hat mir ein paar ganz andere Fragen beantwortet, zart zumindest. Eine Ahnung über das verstreut, was vor sich geht. Fragen, von denen ich noch gat nicht wußte, daß ich sie hatte. Genau solche Momente sind es, die ich mit jeder Schreibstunde stärke und das Zögern zerschlage.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, ob euch das Schreiben auch persönlich so fordert? Euch eure Schwächen (oder nennen wir sie Herausforderungen) einmal mehr vor Augen führt? Die Talente, die man hat, kommen eben nicht umsonst. Trotz daß sie sich leicht und fluffig anfühlen. Größtenteils. Alles hat seinen Preis. Das in sich zu nähren, was man mag, als Berufung fühlt, lockt logischerweise Wesen aus dem Keller, die das nicht so toll finden und sich Beachtung wünschen.

Weil das Schreiben für mich so funktioniert wie es funktioniert, verstehe ich mich (zumindest bezüglich meiner Romanarbeiten) als eine Art Medium. Daß ich Mitspracherecht habe bei den Geschichten, empfinde ich nur als bedingt so. Natürlich überlege ich mir Namen und Äußerlichkeiten, Charaktereigenschaften und was nicht alles. Nicht zuletzt weil ich Metapher und Symbolisches so sehr mag. Doch sitze ich nicht da, habe verschiedene Punkte vor mir und wähle aus wie damals die Farben für meine Wohnung. Vielmehr war einfach irgendwann klar (entweder unterwegs, wie eine Erinnerung an den Namen eines alten Klassenkameraden) oder während des Schreibens: ach, so heißt sie. Und oh, okay, das zählt mit zu seinem Charakter?, geht klar.

Das bezieht sich ganz stark auf meine Aurora-Chroniken. Das Projek Seelenschwestern basiert teils auf eigenen Erfahrungen, wird aber definitiv ähnlich ablaufen, was Wendungen usw. betrifft. Beim Großstadtrotkäppchen habe ich das ja schon sehr stark zu spüren bekommen – das erfährt derzeit eine weitere Überarbeitung, wenn auch mehr struktureller Natur. Alles aber so Dinge, bei denen ich gern mal heimlich die Augen verdrehe. 😉 Kann es nicht einfach soundso sein? Nein, kann es nicht. Dann wäre es nicht mein Weg, meine Arbeit, meine ganz spezielle Herausforderung. Das ist es, was sie für mich ausmacht und was ich mit euch teilen kann. Jeder arbeitet anders, jeder empfindet es anders, erlebt es anders und das macht es zusätzlich so wundervoll.

Mich der Geschichte also einfach hingeben und lesen, wohin mich das Schreiben führt – daran arbeite ich und gebe mir größte Mühe, diesem Prozeß besser zu vertrauen. Ironisch, ein wenig, weil ich in so viele/s intuitiv vertraue und dann gibt es Punkte wie diesen… da wundere ich mich selbst, warum ich nicht auch da einfach so vertraue. Hach, ja.

Worin ich aber schon vertraue, ist, daß sich mit der Zeit ein Muster ergeben wird, das es mir leichter machen wird. Das ist, was ich weiß, ohne es näher beschreiben zu können. Wer weiß, wann ich es hier erneut aufgreife. 😉

Frohes Schreiben! 🙂

Greta

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spilling the t

Der April und Camp NaNo startetn wundervoll. Die Korrektur meines Großstadtrotkäppchens nahm seinen Lauf; an sich zufriedenstellend. Gleichzeitig wollte sich ein Zwicken in meinem Bauch jedoch nicht recht verabschieden. Ganz im Gegenteil.

Und weil man Tee nicht in aller Seelenruhe verkippt: als Debutroman für Frühsommer angekündigt, wird Großstadtrokäppchen so nicht veröffentlicht.
Verbrennen werde ich diese Geschichte aber auch nicht, doch die Funken, die zu Beginn sprühten, sind nicht mehr. Teilen möchte und werde ich diese Geschichte auf jeden Fall. Vielleicht später als Roman. Vielleicht in Form von Blogbeiträgen. Nicht (mehr) jedoch als mein Debut. Vielleicht bin ich dieser Geschichte in dem Sinne entwachsen, daß ich sie zunächst nur für mich habe nieder- und zu Ende schreiben müßen um nun festzustellen, daß ich mich einem meiner andere Projekte widmen mag, die die Glut in mir wieder zu Feuer entfacht mir nur wenigen Gedanken, Tagträumen und Unterhaltungen.

Aus Prinzip weiterverfolgen, jetzt, so, wie gedacht und angekündigt? Könnte ich, sicher. Allerdings wäre es genau das Vorgehen, das mich in der Schule, später im Studium und dann in der kreativen Ausbildung dezent entnervt hat: von Anfang bis Ende diesen Weg entlanglaufen. Schon die letzten Wochen, wenn mich Tagträume zu den Aurora-Chroniken eingeholt haben und ich mir gesagt habe: nein, wenn ich in die Welt meinen ersten richtigen Schritt setze, war’s das. Da komm ich nicht mehr raus um etwas anderes wirklich mit Herzblut zu schreiben, abgesehen von kurzen Texten und Gedichten. Ist das nicht aber kreativer Selbstmord? Warum, in aller Welt, sollte ich mir das freiwillig antun?

Ich selbst kann in jeder Hinsicht nur wachsen, wenn ich verfolge, was mein Herz mir vorgibt. Ich bin selbst ein Großstadtrotkäppchen – und bahne mir meinen Weg durch den Wald, wie mir ist. Und vielleicht brauche ich nur zwei, drei Monate etwas anderes vor der Nase und komme schon dann umgehend zu dieser Geschichte zurück und die Funken fliegen wieder? Das finde ich nur heraus, wenn ich mich auf den Weg einlaße, auf den ich irgendwie gestolpert bin.

Die Ironie lauert in der Ecke: wenn Rotkäppchen brav ihren Weg gegangen wäre und sich nicht vom Wolf hätte auf die Blumenwiese führen und ablenken lassen, wäre ihre Großmutter nichts paßiert. Doch: sie hätte auch keine schöne Zeit inmitten dieser Blumenwiese gehabt. Sie hätte nicht gelernt, wie sie künftig mit Gefahren umgehen wird und – eine meiner Interpretationen: wenn die Großmutter das zukünftige Ich des Rotkäppchens selbst ist, hat der Wolf vielleicht etwas Gutes bewirkt, weil diese Version ihrer Selbst eine gelangweilte, aalglatte ist, die von keinerlei Abenteuern berichten kann?

Nichtsdestotrotz werde ich 2019 als mein Debutjahr in der Epik nicht streichen. Kopfüber stürze ich mich in die anderen Projekte, die es sich auf meinem Schreibtisch bequem gemacht haben und ich bin gespannt, wohin mich diese Entscheidung treiben wird und welche Blumenwiesen ich entdecken werde. 🙂

Kennst du solche Entscheidungen oder Gedanken? Wie gehst du für dich damit um?

Greta

 

Phase I

Die ersten beiden Januarwochen sind so gut wie vorbei – und ebenso die erste Phase meiner Revision. So hilfreich und intereßant alle möglichen Erfahrungsberichte sind, die ich in den Tiefen des Webs bisher ausmachen konnte, laße ich mich auf mich selbst ein. Ich bahne mir den Weg durch den Wald – paßend zum Titel Großstadtrotkäppchen – während ich ihn gehe und das bereitet mir Freude.

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Ein Gewinn kommt nie allein

Immer wenn ich am Ende des Tages meine geschriebene Wortzahl, ganz stolz auf mich selbst, eingetragen und mir meine Statistik angesehen habe, sah ich eine Zahl, die mich den Kopf schütteln lies. Am 26. November vor zwei Jahren hatte ich etwas über 5000 Wörter geschrieben – wie nur? Was war da paßiert? Und dann schrieb ich am Dienstag so vor mich hin. Näherte mich den 3000, den 4000, den 5000 und selbstverständlich wollte ich diesen kleinen, feinen Rekord knacken. Gesagt, getan. Ich fühlte mich gut – sehr viel geschafft, nicht nur die Wortzahl betreffend. Diese ist in diesem Monat natürlich ein Anreiz gewesen, doch war mir von Beginn an klar: diesen Monat starte & beende ich mein erstes Manuskript für Von Minze und Mut & Von Wölfen und Wut.

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Jupiter am Horizont

Wie viele Jahre habe ich auf der Schaukel geseßen und mich eindrehen laßen von Menschen, die nicht wußten, wann es genug war (oder es wußten und sich nicht drum scherten) und von Menschen, die es gut mit mir meinten, mich aber nicht für die Seele sahen, die ich bin.

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